Samstag, 7. November 2026
Sein vor Tun: Der ontologische Ansatz von Mehrnoush Roudaki
Was ihre Ausbildung in Physiotherapie und ontologischer Bildung bedeutet, wie ein ontologischer Ansatz in der Praxis funktioniert und warum er trägt.

Mehrnoush Roudaki wird oft als Physiotherapeutin, Gesundheitscoach oder Kursleiterin beschrieben. Alles drei stimmt. Doch durch ihre Arbeit zieht sich eine einzige Idee: Verändern Sie, wer Sie sind, und Ihr Handeln verändert sich mit. Genau das meint ein ontologischer Ansatz. Dieser Artikel erklärt, woher er in ihrer Ausbildung kommt, was das Wort bedeutet, wie es in einer Beratung funktioniert und warum es oft länger trägt als ein Plan allein.
Ihre Ausbildung: zwei Schulen
Ihre Arbeit beruht auf zwei Arten von Ausbildung.
1. Der Körper: Physiotherapie. Mehrnoush ist staatlich geprüfte Physiotherapeutin. Die Ausbildung umfasst mehrere Jahre Vollzeit in Anatomie, Physiologie, Krankheitslehre, Bewegungstherapie und manuellen Techniken und endet mit dem Staatsexamen. Darauf aufbauend erwarb sie:
- die Lizenz als Rückenschullehrerin
- eine Spezialisierung auf Gesundheitsschäden durch Büro- und Computerarbeit
- Fortbildungen in Fußreflexzonenmassage, Lymphdrainage und Sportmedizin
- gerätegestützte Krankengymnastik (KGG) und das Zertifikat als Power-Plate-Trainerin
- Ernährungsumstellung und Wellness-Coaching
Von 2007 bis 2015 führte sie ihr eigenes Zentrum in Frankfurt am Main. Viele ihrer Klientinnen und Klienten kamen aus dem Bankenviertel: Menschen, deren Rücken, Nacken und Nervensystem die langen Tage am Schreibtisch trugen. Ihr Vorgehen dort war klar: zuerst ein ausführlicher physiotherapeutischer Befund, dann ein Programm für Bewegung, Fitness und Ernährung, das sich nach dem Menschen richtet und nicht nach einer Schablone.
2. Der Mensch: ontologische Bildung. In denselben Jahren, von 2007 bis 2015, besuchte Mehrnoush Landmark-Kurse in mehreren Ländern. Deren Programme beruhen auf einem ontologischen Modell persönlicher Veränderung. Sie selbst beschreibt sich als ausgebildet in „ontologischer Wissenschaft“, und 2014 gründete sie den Kurs Love, Money & Success mit (mehr dazu in unserem Artikel über LMS).
Beide Hälften passen zusammen. Die Physiotherapie lehrte sie, dass der Körper aufzeichnet, wie wir leben. Die ontologische Arbeit lehrte sie, dass die Art, wie wir leben, daraus folgt, wer wir zu sein glauben.
Was „ontologisch“ eigentlich bedeutet
Ontologie kommt vom griechischen ontos (das Seiende) und logos (Lehre, Wort). In der Philosophie ist sie die Lehre vom Sein.
Im Coaching schaut ein ontologischer Ansatz auf die Art zu sein, die hinter unserem Handeln steht, und bleibt nicht beim Handeln selbst stehen. Das Modell sieht oft so aus:
Sein → Handeln → Ergebnisse
Die meisten Programme setzen beim mittleren Schritt an: Iss dies, mach diese Übungen, schlaf um diese Uhrzeit. Bleiben die Ergebnisse aus, strengen wir uns mehr an oder wechseln den Plan. Ein ontologischer Ansatz geht einen Schritt zurück und fragt: Welcher Beobachter bin ich gerade, dass sich dieser Plan unmöglich, langweilig oder „nicht für mich“ anfühlt?
Ontologisches Coaching beschreibt das „Sein“ in drei verbundenen Bereichen:
- Sprache: die Geschichten und Urteile, in denen wir leben. „Ich bin einfach nicht sportlich.“ „Mein Rücken war schon immer schlecht.“ „Menschen wie ich haben keine Zeit für sich.“ Das sind keine neutralen Beschreibungen. Sie entscheiden im Voraus, was möglich ist.
- Emotion und Stimmung: die Grundstimmung, in der wir leben, etwa Resignation, Angst, Ungeduld oder Aufbruch. Eine Stimmung legt leise fest, welche Handlungen uns überhaupt einfallen.
- Körper: Haltung, Atmung, Spannung und Bewegung. Eine eingesunkene Haltung und flacher Atem gehören zur Resignation, ein offener Stand gehört zu Zuversicht. Der Körper ist nicht nur das Fahrzeug des Geistes, er ist Teil dessen, wer wir sind.
Die drei Bereiche hängen immer zusammen. Verändert sich einer, bewegen sich die anderen mit.
Wie es in einer Beratung funktioniert
Eine Sitzung mit Mehrnoush folgt einem klaren Rhythmus, online wie vor Ort.
- Befund, im Körper und in der Geschichte. Wie in ihrer Frankfurter Praxis beginnt sie mit einem genauen Blick auf den Körper: Haltung, Beweglichkeit, Spannungsmuster und Gewohnheiten. Gleichzeitig hört sie darauf, wie Sie Ihre Situation beschreiben. Auch Ihre Worte sind Befund.
- Den Beobachter sichtbar machen. Gemeinsam erkennen Sie die stillen Behauptungen („Diäten scheitern bei mir immer“) und die Stimmung („wozu überhaupt?“) hinter dem Problem. Allein das Sehen lockert oft ihren Griff.
- Über den Körper arbeiten. Weil Körper, Stimmung und Sprache verbunden sind, beginnt sie oft beim Körper: Atem, Aufrichtung, ein paar gezielte Übungen. Anders zu stehen ist ein schneller Weg, sich anders zu fühlen, und anderes Fühlen macht neue Gedanken möglich.
- Neue Sprache, neue Verpflichtungen. Statt vager Vorsätze („Ich sollte mich mehr bewegen“) geben Sie klare, kleine Versprechen: was, wann und mit wem. Ontologisch gesprochen sind das Erklärungen und Zusagen, und sie verändern, was Sie morgen tatsächlich tun.
- Präsenz im Alltag. Kleine Rituale halten Sie präsent: ein morgendlicher Check-in mit dem Körper, ein Glas Wasser vor dem Frühstück, eine Pause, bevor Sie reagieren. Mehrnoush praktiziert sie selbst jeden Tag.
- Überprüfen und anpassen. Jedes Folgegespräch schaut auf Ergebnisse und auf das Sein: Was hat sich in Körper, Stimmung und Geschichte verändert?
Warum dieser Ansatz wirkt
Keine Methode wirkt bei allen, und ein ehrlicher Coach sagt das auch. Es gibt aber gute Gründe, warum die Arbeit am Sein oft länger trägt als die Arbeit am Tun allein:
- Gewohnheiten folgen der Identität. Menschen tun dauerhaft, was zu dem passt, wer sie zu sein glauben. Eine neue Routine, die dem Selbstbild widerspricht („Ich bin faul“), nutzt sich schnell ab. Verändert sich das Selbstbild, findet die Routine einen Platz.
- Körper und Geist sind ein System. Stress zeigt sich als Muskelspannung, flacher Atem und Schmerz, und Schmerz nährt Stress und gedrückte Stimmung. Eine Physiotherapeutin sieht diesen Kreislauf täglich. Wer an Haltung und Atem arbeitet und zugleich an Stimmung und Bedeutung, durchbricht ihn von beiden Seiten.
- Sprache schafft Verbindlichkeit. Ein klares Versprechen gegenüber einem anderen Menschen wird viel eher gehalten als ein stiller Vorsatz. Ontologisches Coaching nutzt Sprache bewusst, um aus Wünschen Zusagen zu machen.
- Es setzt an der Ursache an. Ein Plan behandelt das Symptom („zu wenig Bewegung“). Die ontologische Frage schaut auf die Ursache („Warum passt Bewegung nie in mein Leben?“).
- Es ist persönlich. Zwei Menschen mit denselben Rückenschmerzen können in völlig verschiedenen Geschichten und Stimmungen leben. Ein ontologischer Ansatz holt jeden dort ab, wo er wirklich steht. Genau das meint der goldene Schnitt bei Phizad: die Proportion, die Ihre ist.
Was es ist und was nicht
Dieser Ansatz ist Coaching und physiotherapeutisch fundierte Begleitung für Gesundheit, Bewegung und Wohlbefinden. Er ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden oder Erkrankungen wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Viele Klientinnen und Klienten erleben, dass sich beides gut ergänzt.
Wo Sie anfangen
Der erste Schritt ist ein Gespräch. In einer Online-Beratung schauen Sie gemeinsam, wo Sie heute stehen, im Körper, in Ihrer Sprache und in Ihrer Stimmung, und finden den nächsten Schritt, der wirklich zu Ihnen passt.